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Neues Deutschland 13.06.05
Schwere
Zeit für Nazi-Gegner
Neonazis drohen, Anwaltschaft ermittelt gegen Münchner Journalisten
Von Uwe Kalbe
Wegen
Landfriedensbruchs ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den
Journalisten und Antifaschisten Nikolaus Brauns. Zur Verfolgung der
Staatsgewalt kommen Drohungen von Neonazis.
»Dieser Nikolaus hat bestimmt ne Freundin, hat eine Wohnung,
muss auch mal abends allein nach hause, geht eventuell arbeiten, hat ein
Auto, geht jeden tag irgendwelchen gewohnheiten nach, muss mal kurz Kippen
holen gehen... und und und... Vielleicht unterhält er sich ja auch mal abends
in der Kneipe mit 2 Leuten, von denen er gar nicht weiß das es nazis sind,
weil er sie nicht erkennt...«
Die unverhohlene Drohung gegen Nikolaus Brauns, Antifaschist und als freier
Journalist regelmäßig auch im Auftrag von Neues Deutschland tätig, findet
sich im Forum einer Neonazi-Website mit dem bezeichnenden Namen »Freier
Widerstand«. Jüngster Anlass dieser und weiterer »Unfreundlichkeiten« auf
verschiedenen Internet-Seiten mit rechtsextremistischem Hintergrund, garniert
mit Fotos von Brauns, ist eine Aktion von jungen Antifaschisten, die in der
letzten Woche eine Versammlung von Aktivisten der NPD und Neonazis in München
stürmten.
Wenngleich die Aktion nach kurzer Zeit mit dem Rückzug der Jugendlichen und
ohne größeren Schaden endete, hadern einige Rechte in den Foren, nicht
kräftig draufgehauen zu haben. Vor allem aber haben sie Nikolaus Brauns als
vermeintlichen »Anstifter« der Aktion ausgemacht, weil er an einem Tisch der
Gaststätte saß, in der sich die Ereignisse abspielten. Einer der Teilnehmer
am Neonazi-Treffen war der wegen schwerer Körperverletzung vorbestrafte
stellvertretende bayerische NPD-Vorsitzende Norman Bordin, der im Internet
Brauns beschuldigt, »Drahtzieher dieses Überfalls« zu sein.
Seine Mutter habe ihn einmal kurz angerufen, sagt er gegenüber ND zu der
Behauptung, er habe per Handy die Antifa-Aktivisten gerufen. Die Polizei
jedoch glaubte der Darstellung der Neonazis. Wenige Stunden später erwartete
sie Brauns vor der Tür seines Hauses. In seiner Wohnung beschlagnahmten die
Beamten Brauns’ Computer, Laptop und Mobiltelefon sowie eine Vielzahl von
Unterlagen. Dass dies ohne richterlichen Durchsuchungsbescheid geschah,
begründete die Staatsanwaltschaft damit, dass »Gefahr im Verzug« gewesen sei.
Gefahr ist nunmehr für Brauns im Verzug. Die Staatsanwaltschaft ermittelt
wegen Landfriedensbruchs. Und auch die in seinen Unterlagen gespeicherten
Personen dürften wenig erbaut sein, nunmehr und ohne von dem für Journalisten
geltenden Zeugnisverweigerungsrecht geschützt zu sein, in den Bestand des
Staatsschutzes übergegangen zu sein. Brauns will gegen beides vorgehen. Gegen
die Maßnahmen der Polizei und deren Untätigkeit noch am Ort des Geschehens,
als Neonazis Brauns mit Kameras filmten, wie gegen die Beschuldigungen und
Drohungen der Rechten. Ein Treffen zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei am
Freitag ging ohne Entscheidung aus. Eine Rückgabe der beschlagnahmten
Gegenstände lehnte man Brauns gegenüber mit dem Hinweis ab, es handele sich
um »Original-Beweisstücke«. Einen Zeitpunkt der Rückgabe konnte man ihm nicht
nennen.
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